Die typische Führungskraft hat zwei Kinder und trotzdem Vorurteile

Sie sehen ihre eigene Familie, blenden aber den Alltag der Mitarbeiterinnen aus: deutsche Führungskräfte.

Eigene Erfahrungen sind das beste Mittel gegen Vorurteile, oder nicht? Eine neue Studie zeigt, wie Führungskräfte Familie leben.

Die traditionelle Familie boomt! Jedes Jahr, wenn die neuen Zahlen zur Elternzeit vorgestellt werden, übernehmen die meisten Medien die Jubelmeldungen über engagierte Väter, ohne die Zahlen zu hinterfragen. „Mehr Väter entscheiden sich für Elternzeit!“, heißt es beispielsweise bei Spiegel Online. Jörn Kruse, Ressortleiter bei der taz, kommentierte das treffgenau mit diesen Worten: „Wahnsinn, das liest sich ja, als wären wir Väter kurz davor, uns die Betreuung und Erziehung der Kinder unter den Nagel zu reißen.“

Denn auch bei Spiegel Online wird schon im zweiten Absatz aufgeklärt, dass der höchste Prozentsatz der Väter in Elternzeit in Sachsen mit 26,5 Prozent erreicht wurde, im Bundesschnitt sind es 22,2 Prozent. – und in diesem mageren Prozentsatz sind auch all die Väter enthalten, die nur die Minimalbezugsdauer von acht Wochen in Anspruch nehmen. Wäre da nicht die passendere Überschrift: „Fast 80 Prozent der Väter nehmen nach wie vor keine Elternzeit“? Oder: „Elternzeit von Vätern überschreitet weiterhin nicht die Dauer eines ausgedehnten Sommerurlaubs“.

So leben Führungskräfte Familie. Dass die neuen Väter, die Profis im Windelwickeln sind, besser Kinderlieder erinnern als die Quartalsergebnisse ihres Unternehmens und mit nackten Füßen im Sandkasten stehen, immer noch eher eine herbei fantasierte Gleichberechtigungsutopie sind als die Regel, zeigt auch die Studie von Prof. Dr. Regine Graml, Professorin für Betriebswirtschaft, Personalmanagement und Organisation am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), die sich zuletzt mit den Familienmodellen von Führungskräften beschäftigte.

https://editionf.com/typische-fuehrungskraft-traditionelles-rollenmodell-karriere-streben-frauen