Wir flexibilisieren uns zu Tode

Kürzlich las ich in der Presse, der Markt für den Job XY sei „leergefegt“. Leute mit der Ausbildung und Erfahrung in XY seien so beliebt, die könnten sich ihre Stelle aussuchen. Schön für XY, dachte ich. Später unterhielt ich mich mit einem Bekannten, der solche Leute einstellt. „Sag mal“, meinte ich, „wie findest du eigentlich deine Mitarbeiter? Der Markt ist doch leergefegt, habe ich gehört.“

Mein Bekannter berichtete mir, dass XY-Mitarbeiter in der Tat sehr gefragt seien. Das stimme schon. Nur bekämen diese Mitarbeiter meist befristete Verträge für zwei oder gar nur ein Jahr. „Unser Trumpf ist“, meinte mein Bekannter, „dass sie bei uns langfristig planen können.“

Ebenfalls kürzlich beriet ich ein produzierendes Unternehmen in Sachen Führung und Kultur. Die Zahlen waren eindeutig: Die befristet Beschäftigten hatten eine nur halb so hohe Krankheitsquote wie die unbefristet Beschäftigten. Man kann sich vorstellen, wohin die Diskussion im Management ging. Warum nicht viel mehr Leute befristet beschäftigen, um sie „auf Trab zu halten“? Anscheinend hilft es ja der Produktivität.

Ist eine Frage des Menschenbildes: Ich kann entweder davon ausgehen, dass Mitarbeiter faule Säcke sind, die man mit Befristung erpressen muss, weil sie sonst krankfeiern. Oder ich vertraue darauf, dass Mitarbeiter tatsächlich einen Grund haben, wenn sie sich krankschreiben lassen.

Schließlich gab es mehrere Berichte in den Medien über ein großes Modeunternehmen, das anscheinend bevorzugt Flex-Kräfte einstellt.

https://www.xing.com/news/insiders/articles/wir-flexibilisieren-uns-zu-tode-826870?sc_p=da863_bn&xing_share=news