Management bei Fernsteuerung

Rund um die Welt verteilte Teams, ständig wechselnde Mitarbeiter - in der digitalen Welt hat Führung nach dem Befehlsprinzip ausgedient. Andere Chefqualitäten sind nötig.

Avas Lieblingsplatz ist der Stehtisch in der Kaffeebar. Dorthin rollt sie, wenn sie in Plauderlaune ist. Die Kollegen nennen den Roboter, der in der Steelcase-Zentrale der US-Möbelmetropole Grand Rapids seine Runden dreht, Gale-Bot. Denn gesteuert wird die wandelnde Videokonferenz von Gale Moutrey. Die Kommunikationschefin des Büroausstatters lebt in Toronto und jettet als Markenbotschafterin viel um die Welt. Mit ihrem elektronischen Alter Ego hält sie stets Kontakt zum Team.

Mal klopft sie virtuell im Büro eines Mitarbeiters an, mal taucht ihr Gesicht am Konferenztisch auf. In der Lounge-Ecke geht Ava in die Knie, damit Moutrey auf Augenhöhe mit den Kollegen auf dem Sofa sprechen kann. Die Chefin von 120 Mitarbeitern auf vier Kontinenten lobt ihren Hightechklon: "Die Kommunikation fühlt sich natürlich an." Ihr Team vergesse oft, dass man gar nicht in einem Raum vereint sei, sondern Tausende Kilometer voneinander entfernt.

An verschiedenen Orten gleichzeitig anwesend sein - davon träumen viele Führungskräfte. Denn die überwältigende Mehrheit aller Manager arbeitet heute mit Kollegen, die weit weg sind. Anweisungen zwischen Tür und Angel geben, alle mal schnell an den Konferenztisch holen - das geht nicht mehr.

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